Für mich findet Journaling nicht nur über Worte statt.
Ein Bullet Journal war für mich schon immer ein Ort zum Schreiben, Planen und Reflektieren, doch mit der Zeit wurde es auch ein Ort zum Zeichnen. Illustrationen zu machen ist ein Teil davon, wie ich mein Leben verarbeite. In diesem Sinne ist mein Bullet Journal nicht nur etwas, in das ich schreibe. Es ist etwas, durch das ich mich selbst sehe.
Jede Illustration steht für eine bestimmte Episode meines Lebens. Manche sind klar mit einem Moment verbunden, andere mit längeren Phasen, die sich schwer in Worte fassen lassen. Wenn Sprache zu eng oder zu präzise wirkt, eröffnet mir das Zeichnen einen anderen Zugang. Es lässt Dinge offen, emotional und intuitiv bleiben.
Illustration als Teil meiner Bullet Journal Praxis zu nutzen, ist ganz natürlich entstanden. Es war kein Plan. Irgendwann habe ich gemerkt, dass manche Erfahrungen gezeichnet werden wollten und nicht geschrieben. Linien, Formen, Symbole und Farben haben getragen, was ich nicht immer erklären konnte. Mit der Zeit wurde daraus eine Form des visuellen Journalings, genauso gültig wie eine geschriebene Seite.
In meinem Bullet Journal sind Illustrationen keine Dekoration. Sie sind Einträge. Sie tragen Bedeutung. Jede Zeichnung markiert etwas, das ich erlebt habe, etwas, das ich gefühlt habe, etwas, das geblieben ist. Auf sie zurückzublicken fühlt sich an wie das Lesen alter Journalseiten, nur dass die Erinnerung über Bilder kommt und nicht über Sätze.
Diese Art des Journalings erlaubt es mir, Momente festzuhalten, die keiner linearen Geschichte folgen. Gefühle überlagern sich. Erinnerungen verschwimmen. Illustration lässt all das gleichzeitig existieren. In meinem Bullet Journal kann ein einziges Bild Widerspruch, Unsicherheit, Sanftheit und Stärke im selben Raum halten.
Visuelles Journaling verändert auch, wie ich mich erinnere. Wenn ich durch mein Bullet Journal blättere, erinnere ich mich nicht nur an Ereignisse. Ich erinnere mich an Stimmungen. Ich weiß wieder, wie sich eine Zeit in meinem Leben angefühlt hat, nicht nur, was passiert ist. Eine Illustration kann mich sofort dorthin zurückbringen, ganz ohne Erklärung.
Alle Illustrationen, die ich teile, sind Teil dieses Prozesses. Sie zeigen, wo ich zu unterschiedlichen Zeitpunkten meines Lebens stand. Manche sind schnell und intuitiv entstanden. Andere brauchten Zeit und Geduld. Doch sie alle gehören zu derselben Praxis. Mein Bullet Journal als Ort zu nutzen, an dem ich meine eigene Erfahrung bezeuge.
Ich mag den Gedanken, dass Journaling nicht nur eine einzige Form haben muss. Für mich bietet das Bullet Journal einen Rahmen, der flexibel genug ist, um Schreiben und Zeichnen gleichermaßen zu halten. An manchen Tagen brauche ich Struktur und Listen. An anderen brauche ich Raum, Bewegung und Bilder. Beides sind Formen der Reflexion.
Das Illustrieren in meinem Bullet Journal hat mich gelehrt, visueller Sprache zu vertrauen. Ein Bild stehen zu lassen, ohne es zu erklären. Zu akzeptieren, dass sich Bedeutung mit der Zeit verändern darf. Eine Illustration, die einmal Verwirrung gezeigt hat, kann später Klarheit bedeuten.
Deshalb ist Illustration ein so wichtiger Teil meiner Journaling Praxis. Sie ermöglicht es mir, mein Leben visuell, ehrlich und intuitiv zu dokumentieren. Mein Bullet Journal wird zu einem Ort, an dem Worte und Bilder nebeneinander existieren und gemeinsam dieselbe Geschichte erzählen.
Am Ende sind diese Illustrationen nicht getrennt von meinem Journal.
Sie sind mein Journal, geschrieben in einer anderen Sprache.