Schon so lange ich mich erinnern kann, habe ich immer irgendwo ein Notizbuch bei mir gehabt. Einen Ort, Formen zu zeichnen, Emotionen zu hinterfragen oder manchmal einfach meine Gedanken auf’s Papier zu bringen.
Mit der Zeit wurden diese Notizbücher langsam zu dem, was viele heute ein Bullet Journal nennen würden. Aber für mich begann das nie als System oder Methode. Es war einfach ein Raum, um mich selbst zu beobachten.
An manchen Tagen füllte ich Seiten mit Gedanken und Reflexionen. An anderen Tagen waren es nur Farben, kleine Symbole oder ein paar Worte, die festhielten, wie ich mich in diesem Moment fühlte. Wenn ich heute durch diese alten Notizbücher blättere, merke ich, dass sie schon damals eine Geschichte über meine Gefühlswelt erzählt haben.
Viele Jahre lang habe ich das Muster dahinter noch nicht erkannt.
Ich wusste nur, dass mir das Schreiben half, langsamer zu werden und wahrzunehmen, was in mir passiert. Journaling war immer meine Art, Gedanken zu sortieren und Emotionen zu verstehen, die sich manchmal verwirrend oder überwältigend anfühlen.
Irgendwann, als ich wieder einmal durch alte Seiten blätterte, fiel mir etwas auf.
Bestimmte Emotionen tauchten immer wieder zu ähnlichen Zeiten im Monat auf. An manchen Tagen fühlte ich mich voller Ideen, offen für die Welt, kreativ und sozial. An anderen Tagen war ich sensibler, nachdenklicher oder hatte das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug.
Lange dachte ich, diese Veränderungen seien zufällig.
Doch als ich begann, meinen Zyklus in meinem Bullet Journal zu verfolgen, wurde langsam etwas sichtbar. Diese emotionalen Wellen standen in enger Verbindung mit meinem Menstruationszyklus.
Es fühlte sich an, als würde ich eine Karte entdecken, die schon immer da gewesen war.
Meine Energie und meine Emotionen bewegten sich in Zyklen – ganz ähnlich wie die Jahreszeiten in der Natur.
Manche Tage fühlten sich wie Frühling an: neugierig, leicht und voller neuer Ideen.
Andere wie Sommer: selbstbewusst, offen und verbunden mit anderen Menschen.
Dann kam Herbst, eine Zeit, in der Emotionen tiefer wurden und Reflexion ganz natürlich auftauchte.
Und schließlich Winter, die Tage, an denen ich langsamer werden, mich zurückziehen und einfach ausruhen wollte.
Dieses Muster in meinem Bullet Journal zu sehen, hat etwas in mir verändert.
Anstatt meine Emotionen zu bewerten, begann ich, sie zu beobachten.
Anstatt zu fragen „Warum fühle ich mich heute so?“ fragte ich mich plötzlich „Wo bin ich gerade in meinem Zyklus?“
Diese kleine Veränderung brachte viel mehr Verständnis und Anerkennung mir selbst gegenüber.
Ich begann nach einem Journal zu suchen, das Bullet Journaling mit Zyklusbewusstsein verbindet. Etwas, das erklärt, was hormonell im Körper passiert, und gleichzeitig Raum für persönliche Beobachtungen lässt.
Aber ich fand nichts, das sich wirklich persönlich anfühlte.
Also habe ich es selbst geschaffen.
Das Menstrual Cycle Bullet Journal, welches ich gestaltet habe, ist direkt aus meiner eigenen Journaling-Praxis entstanden. Es ist nicht nur ein Periodentracker. Es ist ein Raum, um zu beobachten, wie Hormone unsere Emotionen, unsere Energie, unsere Kreativität und unsere Wahrnehmung beeinflussen.
Denn unser Zyklus ist viel mehr als nur ein paar Tage im Monat.
Er ist der Rhythmus, der unsere Hormone reguliert – und diese Hormone beeinflussen, wie wir fühlen, denken und die Welt erleben.
Im Journal führe ich durch die vier Phasen des Menstruationszyklus.
Die Menstruationsphase, eine Zeit der Ruhe und inneren Einkehr.
Die Follikelphase, in der langsam wieder neue Energie entsteht.
Die Ovulationsphase, oft verbunden mit Selbstvertrauen, Offenheit und Verbindung.
Und die Lutealphase, in der Emotionen tiefer werden und Intuition stärker spürbar ist.
Jede dieser Phasen hat ihre eigene emotionale Landschaft.
Die Bullet-Journal-Seiten helfen dir, deine Stimmung, Symptome und Gedanken zu beobachten und zu erkennen, wie diese Phasen deinen Alltag beeinflussen.
Ein Detail, das ich besonders liebe, ist die Verwendung verschiedener Farben für jeden Tag. Mit der Zeit wird dein Journal zu einer visuellen Karte deines Zyklus. Oft erkennt man die Muster schon, bevor man überhaupt die Worte liest.
Ein sehr persönlicher Teil dieses Journals ist außerdem, dass ich Seiten aus meinem eigenen Periodentagebuch eingefügt habe – drei vollständige Zyklen aus meinem eigenen Journal.
Keine perfekten Seiten. Einfach ehrliche.
Ich wollte, dass sich dieses Journal wie ein Begleiter anfühlt und nicht wie ein strenges System.
Für mich ging es beim Bullet Journal nie um perfekte Layouts oder Produktivitätssysteme. Es geht um Bewusstsein.
Wenn du beginnst, deinen Zyklus auf diese Weise zu beobachten, verändert sich etwas. Die emotionalen Tage, die früher verwirrend waren, beginnen Sinn zu ergeben. Die Momente, in denen du dich kreativ oder selbstbewusst fühlst, werden leichter erkennbar.
Du hörst auf, gegen deinen Körper zu kämpfen.
Stattdessen beginnst du, ihm zuzuhören.
Dein Zyklus fühlt sich weniger wie eine emotionale Achterbahn an und mehr wie ein Rhythmus, den du verstehen und mit dem du arbeiten kannst.
Dieses Journal ist einfach ein Raum, um diesen Rhythmus zu entdecken.
Ein Ort, an dem du deine Emotionen, deine Energie und die leisen Signale deines Körpers beobachten kannst.
Für mich war Journaling immer eine Möglichkeit, aus dem Kokon der Verwirrung herauszutreten und mich selbst besser zu verstehen.
Und wenn dieses Bullet Journal einer anderen Frau hilft, den Rhythmus in ihrem eigenen Leben zu erkennen, dann hat dieses Projekt bereits das erreicht, wofür es gedacht war.